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Der Wechsel

Es ist eine Geschichte von Glück, Trauer, Freude, Depression und wiedergefundener Fröhlichkeit: Mein Gastfamilienwechsel.

Es kommt ein Problem auf, es wird verschwiegen.
Es kommt ein weiteres auf, und wieder wird nicht darüber geredet.
Man fängt an mit Gesten seiner Wut, seinen Gefühlen und seinem Unverständnis freien Lauf zu lassen...
...oder man redet einfach gar nicht mehr miteinander.
Genauso gings mir mit meiner Gastfamilie.
Nach mehreren Auseinandersetzungen wurde ich einfach nur noch ignoriert und niemand sprach mehr mit mir. Der einzige, der noch ein paar Worte mit mir wechseln wollte, was Tomas, einer der kleinen Brüder, die ich hatte. Alle anderen blieben stumm, und schauten mich nur noch schräg von der Seite an.
Viel schlimmer wurde es allerdings, als sie ihre Sprache wieder gefunden hatten, und mir ständig Vorwürfe machten. Immer, aber wirklich immer war ich an allem Schuld.
Die Telefonrechnung war ziemlich hoch.. 3 Mal dürft ihr raten, wer Schuld war!?
Natürlich: Lisa., auch wenn sie das Telefon nur selten benutzt, aber das spielt ja erstmal keine Rolle.
Der Hund kotzt, und wer hat ihm das falsche Essen gegeben?
Lisa! Wer mich kennt, weiss, dass ich mich keinem Hund freiwillig annähere, also, warum sollte ich ihn dann füttern??
Das sind alles Kleinigkeiten, aber es ging immer weiter bis zu einem Moment, wo das Fass einfach zum überlaufen kam..
Ich komm von der Schule nach Hause, betrete unser Zimmer (von mir und Maria) und es stinkt bestialisch. Ich weiss nicht, wer da ne Bombe hat hochgehen lassen. Naja, so wie ich bin, stell ich erstmal ganz trocken fest: „Hier stinkts!“
-Meine Gastschwester: „Das liegt daran, dass DU nie das Fenster aufmachst!“
-Lisa:“Ich komm grad aus der Schule, wie soll ich denn da vorher das fenster aufmachen.“
-Gastschwester: „Das ist mir doch egal. Du bist dafür verantwortlich.“
-Lisa: „Seit wann muss für ein Fenster Verantwortung übernommen werden??!“
-Gastschwester: „Das war schon immer so. Oh mann, du bist so blöd. Es ist echt immer das gleiche mit dir.“
-Lisa: „Ich hab keine Ahnung, wovon du redest.“
-Gastschwester:“Vielleicht solltest du mal Spanisch lernen.“
-Lisa: „Das hat damit doch gar nichts zu tun, ich versteh dich fantastisch. Ich hab nur keine Ahnung, was du mir vorwerfen willst.“
-Gastschwester: „Ach, ich hab keine Lust mehr mit dir zu diskutieren, das macht keinen Sinn.“
-Lisa: „ Du hast Recht. Es ist absolut sinnlos.“
-Gastschwester: „ Weisst du was, das beste wäre, wenn du gehst. Ich will dich nicht mehr sehen. „
-Lisa: „ Wie bitte?? Sag das nochmal. Warum das denn?“
-Gastschwester: „Machs einfach.“

So war das. Gott sei dank, war der nächste Tag ein Samstag, ich wüsste nicht, wie ichs in der Schule ausgehalten hätte. Ich hab die ganze Nacht geweint, und wurde dann auch wieder ganz sanft von meiner Gastschwester darauf hingewiesen: „Kannst du mal aufhören rumzuheulen? Du bist mittlerweile 17 jahre alt.“
Das hat mich in dem Moment so aufgeregt, dass ich die zur Sau gemacht hab. Meine Güte, ich bin sonst nie aus der Rolle gefallen, aber was zu viel ist, ist zu viel.
Ich glaube, ich hab den Rest der Familie aufgeweckt, aber nichts war mir in dem Moment gleichgültiger.

In der Nacht hab ich jedenfalls viel nachgedacht, und mir stark die Worte meiner Gastschwester zu Herzen genommen. Die negativen Gefühle überwogen schlicht und einfach die positiven, auch wenn ich mit denen viele schöne Erfahrungen gemacht hab, und viel Zeit mit ihnen verbracht hab.... irgendwann stosse auch ich an meine Grenzen.
So kam ich zum Entschluss die Familie zu wechseln.
Wenn ich ehrlich bin, hab ich schon vorher drüber nachgedacht, woanders hinzuziehen, aber es war mir nie wirklich ernst.
Aber diesmal war ich mir 100%ig sicher.

Am nächsten Morgen hab ich dann erstmal Julius angerufen und gefragt, was er vor der Situation hält.Naja, und während ich ihm von meinen Gefühlen erzählte, überwältigte mich die Nervosität und ich hüpfte von Trauer über Witz und Freude bis hin zum absoluten Tränenausbruch.
Wir beschlossen dann, uns am gleichen Nachmittag noch zu treffen, um alles nochmal in Ruhe zu besprechen.
Vor dem Mittag bin ich noch ins Internetcafé gelaufen, um mir von meiner Austauschorganisation professionelle Hilfe zu holen.
Ich kann ja nicht einfach so wechseln. Ich hab denen per Mail also meine Lage geschildert, und gesagt, wie ich mich fühle, etc.
Darauf bekam ich die Antwort, dass sie mich verstehen, und fragten, ob ich denn schon eine Idee hätte, wo ich unterkommen könnte.
Mir war es total wichtig in San Luis bei meinen Freunden zu bleiben, ich wollte die nicht einfach so zurück lassen. Die sind mir mittlerweile so wichtig geworden, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie das ab Juli sein wird. Die Herzlichkeit, die Liebe, das Lachen und ja selbst den Körperkontakt zu meinen Mitschülern werd ich vermissen.
Jedenfalls wollte ich unbedingt hier bleiben, wusste aber noch nicht wo ich unterkommen konnte.

In der Zeit gings mir absolut nicht gut, das Warten auf eine neue Bleibe hat mir ziemlich zu schaffen gemacht. Ich konnte nachts nicht schlafen, hab oft geweint und fast die ganze Zeit im Bett verbracht, wenn ich nicht grad in der Schule war.
Da hat man mir anscheinend angemerkt, dass es mir schlecht ging.
Es ging soweit, dass ich von Barbara (Tochter der Direktorin / hat in der Schule die Verantwortung für die Oberstufe, somit auch für mich.. ) aus dem Unterricht genommen wurde, um mit ihr zu reden. Ich bin so glücklich, dass ich auf genau dieser Schule gelandet bin. Die sind eine grosse Familie, und jeder einzelne wird wahrgenommen und respektiert.
Die Gespräche mit Barbara haben immer irgenwas befreiendes, als würde ich eine riesige Last von mir werfen.
Sie hatte dann auch die Idee, eine meiner Klassenkameradinnen zu fragen, ob ich nicht bei denen wohnen kann. So haben wir zusammen überlegt, und festgestellt, dass Manuela die beste Wahl wäre. Sie hat mich letztes jahr im Oktober schon mal gefragt, ob ich nicht bei ihr wohnen möchte. Damals war aber mit der Familie noch alles in Ordnung, darum wollt ich nicht wechseln.
Jedenfalls hab ich dann Manu gefragt, und sie war sofort von der Idee begeistert, hat dann mit ihren Eltern geredet und es sie wollten, dass ich sofort bei denen einziehe.
Das war der erste Lichtblick nach all den Scheisstagen, mir gings echt sooo dreckig.
Ich war so froh, eine neue Familie gefunden zu haben, dass ich sofort meiner Austauschorganisation Bescheid gesagt hab, und anfing meine Koffer zu packen.
Das hat natürlich meine ehemalige Gastmutter gesehen, und fragte mich, was denn mit mir los wäre. Da hab ich geantwortet, dass ich eine neue Familie hab, und dass die mich noch am gleichen Abend abholen.
Das hat sie irgendwie nicht verstanden, bis sie gemerkt hat, dass ich das ernst meine, und lustig fand sie das gar nicht.
- „Du willst das wirklich machen?“
-Ich: „Ja, ich bin mir sicher. Hier hält mich nichts mehr.“
-Sie:“Ich hätte ja nie gedacht, dass du das ernst meinst..“
[ Ich hatte ihr vor dem Gespräch schon 2mal gesagt, dass ich vorhabe die Gastfamilie zu wechseln, dass es aber allerdings eine Frage der Zeit sein wird, bis ich eine neue Familie finde. Da zeigt sich doch wieder, dass ich da nie ernst genommen werde. Das hat mich in dem Moment so aufgeregt, aber ich bin ruhig geblieben und hab nichts mehr gesagt. ]
Mit dem was dann passierte, hätte ich nie im Leben gerechnet.
Meine Gastfamilie war schon immer so, das sie zuerst untereinander geredet hat, und mir danach erst die „Entscheidung“ mitteilten.
So wars auch dieses Mal, mein Gastmutter rief sofort meinen Gastvater an, um ihm zu sagen, dass ich „auf der Flucht“ bin. Da kam der natürlich erstmal vorbei, um mit mir die ganze Sache zu besprechen. Er fing erstmal wieder an, mir 500 verschiedene Dinge vorzuwerfen, und er meinte auch, dass er es eine absolute Respektlosigkeit und Frechheit fände, dass ich nicht mal vorher, was gesagt, wenn mich was störte.
Das Ding ist nur, dass ich schon 2 mal gesagt habe, dass ich gehen möchte, und warum ich gehen möchte, aber mir hört ja hier niemand zu.
Ich war zu der Zeit, und bins immer noch, ziemlich sensibel, und fing an zu weinen. Naja, da bringt das Gespräch dann auch keinen Sinn mehr.
Das Ganze endete dann so, dass sie die Austauschorg. Anriefen, und ihnen erzählten, dass ich noch am selben Tag die Familie wechseln will, und schon die Taschen gepackt habe. Daraufhin wurde ich sofort von denen angerufen und zur Schnecke gemacht.
Was mir denn einfallen würde, einfach so wechseln zu wollen, und das geht doch nicht, und die müssen doch erst die neue Familie kennen lernen, und davor muss doch erstmal die Sotuation geklärt werden, vielleicht kann man da ja noch was retten.
Was sollte da noch zu retten sein? Für mich ganbs da nichts mehr.
Deshalb hab ich alles wahrscheinlich total überstürzt..
Jedenfalls musste ich dann noch 2 Tage warten bis eine Mitarbeiterin der Org. aus Cordoba nach San Luis (ungefähr Entfernung München – Berlin) kam, um mit allen Beteiligten zu reden, aber am Ende des Tages durfte ich letztendlich doch den Schritt in das neue Haus, ins neue Leben wagen.
Es ist unbeschreiblich, welch grosse Last von mir gefallen ist. Was ich immer noch nicht verstehe, warum man mich so leiden lassen mussten. Ich mein, wo mit hab ich das verdient? Ich weiss, dass es nicht leicht ist mit mir zu leben bzw. Unter dem gleichen Dach zu wohnen, aber ich bin immer respektvoll gewesen, hab im Haushalt geholfen und mich an alle Regeln gehalten. Als Dank durfte ich das Haus nach 20 Uhr nicht mehr verlassen, musste ich nach der Schule sofort nach Hause kommen, durfte mich tagsüber von 14-17 Uhr nicht bewegen bzw. keine Geräusche machen, ich durfte Brot nur mit Erlaubnis essen (wenn ich nicht vorher gefragt habe, dann hat mich mein ältester Gastbruder verpetzt, von dem wurde ich im Haus immer auf Schritt und Tritt verfolgt.)
Es gab so viele lächerliche Regeln, aber ich hab mich immer an alle gehalten.
Wo ich grad bei meinem Gastbruder stehen geblieben bin, kann ich ja gleich noch ein paar Geschichten von ihm erzählen.
Das Verhältnis zu ihm war von Anfang an Scheisse, schlicht und einfach gesagt Scheisse.
Gleich am ersten Tag gings damit los, dass er mich nicht begrüssen wollte. Ja gut, die hatten eine lange Reise hinter sich, konnte ich auch irgendwie verstehen.
Nach einem Monat merkte ich, dass er im Auto nie neben mir sitzen wollte. Ich, meine Schwester und er sassen immer auf der Rückbank, und die beiden kleinsten mussten in den Kofferraum. Jedenfalls, war es so: Wenn ich zuerst eingestiegen bin, dann hat er gewartet bis seine Schwester einsteigt, damit die sich in die Mitte setzt.
Wenn sie zuerst eingestiegen ist, dann rannte er sofort auf die andere Seite des Autos, um bloss nicht das Risiko einzugehen, sich neben mich zu setzen.
Wenn er sich zuerst reinsetzte, und ich mich in die Mitte setzen wollte, dann tat er so als hätte er was vergessen, und rannte nochmal ins Haus zurück, und danach musste ich dann halt automatisch ans Fenster rutschen, und meine Gastschwester sass somit wieder automatisch in der Mitte.
Ich weiss auch nicht, welche Probleme der hatte. Der redet die ganze Zeit mit sich selber, gut, damit hb ich mittlerweile auch angefangen, aber nicht so heftig. Er erzählt sich ja richtige Geschichten, und er unterhält sich auch mit dem Fernseh und mit dem PC.
Letztens, vor ca. 2 Wochen kam er mir entgegen, ich hab ihn natürlioch sofort von weitem erkannt. Jemand der tanzend, und erzählend durch die Strassen läuft, das kann nur er sein. Das lustige ist aber, was dann passiert.
Ich hab erstmal zur Seite geschaut, so getan als ob ich ihn nicht sehen würde.
Was macht er, genau in dem Moment?
Er wechselt die Strassenseite, um da 5 Meter zu laufen und zu warten bis ich vorbei gelaufen bin, und um danach wieder auf die vorherige Strassenseite zurückzuwechseln.
Sachen gibts, die gibts gar nicht...


Das Ganze mit dem Wechsel, etc. passierte vor ungefähr 3 Wochen. Der Woche meines Geburtstages.
Doch dank wunderbarer Freunde, die ich hier gefunden habe, habe ich die Zeit schnell überstanden, mein Lachen und meine Lebensfreude wiedergefunden, und meinen Geburtstag ganz fantastisch feiern können.
Weil meine ehemalige Gastfamilie mir nachts nicht die Tür aufmachen würde, hab ich bei einer Freundin geschlafen.
Die ganze Geschichte klingt total übertrieben, aber es ging mir noch nie in meinem Leben so Scheisse, umso besser, wenn man Menschen um sich hat, die einem das Ego stärken.
Beim nächsten Mal erzähl ich euch ein bisschen was, über meine neue Gastfamilie.

PS: Für Dagge --> es heisst te quierO. Mit O wie Oma.
14.4.07 05:26
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Dagge (14.4.07 08:57)
Na da hast du ja echt was mit gemacht. Hauptsache jetzt geht es dir wieder besser und das du noch ganze viele schöne Monate bei deiner neuen Gastfamilie hast. das soll nicht heißen, dass wir uns nichts auf dich freuen Ich mach dir mal nen paar Bilder vom Abiball ^^ Wir haben am Freitag die erste Abiprüfung *zitter* Also freu mich schon auf deinen nächsten Bericht
P.S.: Jetzt aber richtig -> te quiero ( mit o mit Oma =) )


Dagge (5.5.07 18:56)
Na du weit Entfernte!
Hatte dir ja ne Mail geschrieben, weiß nicht, ob die angekommen ist.Ja bei uns hat es seit Wochen nicht geregnet und es sind meist so 20 - 25 °C. das heißt wir hatten sogar schon fast 30. Du siehst bei uns kann es auch warm sein. Lass mal wieder von dir hören, was du so machst und wie deine neue Familie so ist. Bin neugierig =) Ich hab jetzt keine Schule mehr und ja es ist mal ganz angenehm, wobei das Warten auf die Ergebnisse der Prüfung auch ziemlich grausam sein kann.
Also viel Spaß in der Ferne
HDL

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